Ein Arbeitsverh├Ąltnis kann aus verschiedenen Gr├╝nden sowohl seitens des Arbeitnehmers als auch seitens des Arbeitgebers beendet werden. Auf jeden Fall sollten Arbeitnehmer ihren Urlaubsanspruch bei einer K├╝ndigung geltend machen, denn dieser Anspruch kann das Einkommen deutlich erh├Âhen.

Wichtige Regelungen im Bundesurlaubsgesetz

Im Bundesurlaubsgesetz ist der gesetzliche Urlaubsanspruch geregelt. Bei einer Sechstagewoche betr├Ągt der Anspruch mindestens 24 Werktage. Dauert die Arbeitswoche nur f├╝nf Tage, dann verringert sich der Anspruch auf 20 Arbeitstage im Jahr, sodass grunds├Ątzlich ein Urlaubsanspruch von vier Wochen pro Arbeitsjahr besteht.

In einem Arbeits- oder Tarifvertrag kann ein h├Âherer Urlaubsanspruch zugunsten der Arbeitnehmer vereinbart sein. Auf jeden Fall richtet sich der Urlaubsanspruch bei einer K├╝ndigung immer nach der g├╝nstigsten Vereinbarung, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer getroffen haben.┬á

Urlaubsanspruch bei einer K├╝ndigung berechnen

Je nach Zeitpunkt der Beendigung eines Arbeitsverh├Ąltnisses im Laufe des Jahres kann der Anspruch auf Resturlaub unterschiedlich hoch ausfallen. Insgesamt gibt es mehrere verschiedene Situationen f├╝r die Geltendmachung von Urlaub: K├╝ndigung

  • im ersten Halbjahr
  • im zweiten Halbjahr
  • w├Ąhrend der Probezeit

Ein Arbeitnehmer, der ab dem 01.07. eines Jahres sechs Monate lang ungekündigt in einem Betrieb gearbeitet hat, kann theoretisch im Folgejahr am 01.01. seinen gesamten Urlaubsanspruch für das vergangene halbe Jahr und für das gerade begonnene Jahr geltend machen. 

Bei einem Wechsel des Unternehmens im Laufe des Jahres stellt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer dann eine Bescheinigung über die bereits erfolgte Abnahme des gesetzlichen Anspruchs aus, sodass der Arbeitnehmer keinen weiteren Urlaubsanspruch mehr hat. Dieser Fall tritt in der Praxis aber selten auf. 

Welche Rolle spielt die Betriebszugeh├Ârigkeit?

Die Berechnung des Urlaubsanspruchs nach einer K├╝ndigung richtet sich normalerweise nach der Betriebszugeh├Ârigkeit im Laufe des Jahres. F├╝r jeden Monat, den der ausscheidende Arbeitnehmer im Betrieb t├Ątig war, hat er einen Anspruch auf ein Zw├Âlftel des Jahresurlaubs.┬á

Bei einem gesetzlichen Urlaubsanspruch sind das zwei Werktage bei einer Sechstagewoche. F├╝r Arbeitnehmer, die nur f├╝nf Tage in der Woche besch├Ąftigt sind und die einen gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen haben, runden die Arbeitgeber im K├╝ndigungsfall den Anspruch von 1,6 Tagen pro Monat nach der Addition der offenen Urlaubstage auf.┬á

Sind im Arbeitsvertrag mehr Urlaubstage als im Gesetz vereinbart, berechnet sich der Urlaub nach der g├╝nstigen Vertragsregelung. F├Ąllt der Zeitpunkt der K├╝ndigung in die erste Jahresh├Ąlfte, ist dieser Anspruch exakt entsprechend der Dauer der Betriebszugeh├Ârigkeit zu berechnen.┬á

Tipp: Anspr├╝che sinnvoll nutzen

Bei einer K├╝ndigung ab dem 01.07. des laufenden Jahres muss der Arbeitgeber den gesamten Mindesturlaub auf Wunsch des Arbeitnehmers gew├Ąhren. Insbesondere bei Interesse an einem Erholungsurlaub vor dem Start im neuen Unternehmen kann diese Option sinnvoll sein.

Was passiert mit einem Urlaubsanspruch, der zeitlich nicht mehr genommen werden kann?

Wenn trotz einer K├╝ndigung zum Ende des Arbeitsverh├Ąltnisses der Urlaubsanspruch zum Beispiel aus dringenden betrieblichen Gr├╝nden nicht mehr genommen werden kann, dann ist jeder Tag des restlichen Anspruchs nach ┬ž 7 Absatz 4 BUrlG abzugelten.┬á

Betriebsbedingte Gr├╝nde, bei denen der Arbeitgeber die Abnahme des Urlaubs verweigern darf, sind unter anderem:

  • Spitzenzeiten in der Produktion oder
  • die vertrauensvolle Einarbeitung des Nachfolgers auf einem besonders wichtigen Arbeitsplatz┬á

F├╝r jeden nicht genommenen Tag Urlaub, ist entsprechend der H├Âhe des monatlichen Gehalts ein Urlaubsentgelt zu zahlen.

Besteht der Anspruch auf Abgeltung bei jeder K├╝ndigung?

Der Urlaubsanspruch bei einer K├╝ndigung, der mangels Abnahmem├Âglichkeit abgegolten wird, besteht gesetzlich bei jeder Beendigung des Arbeitsverh├Ąltnisses. Arbeitnehmer k├Ânnen daher auch bei einer Eigenk├╝ndigung den vollen Urlaubsanspruch geltend machen.┬á

Hinweis: Rechtm├Ą├čigkeit der K├╝ndigung pr├╝fen

Sollten Sie eine K├╝ndigung von Ihrem Arbeitgeber erhalten haben, die Rechtm├Ą├čigkeit aber anzweifeln, k├Ânnen Sie die K├╝ndigung pr├╝fen lassen.

Verpflichtung zur Abnahme von Urlaub nach K├╝ndigung

Der Wortlaut des Bundesurlaubsgesetzes bedeutet, dass eine Abgeltung des Urlaubsanspruchs bei K├╝ndigung nur in Frage kommt, wenn die zeitliche Inanspruchnahme nicht m├Âglich ist. Im Umkehrschluss gilt daher, dass der Urlaubsanspruch bei jeder K├╝ndigung ├╝blicherweise verpflichtend zu nehmen ist. Die Abgeltung der Urlaubstage im Rahmen der letzten Lohnabrechnung ist immer eine Ausnahme.

Gilt in der Probezeit auch das Bundesurlaubsgesetz?

Der Urlaubsanspruch bei einer K├╝ndigung entsteht wie alle Anspr├╝che, die aus einem rechtsg├╝ltigen Arbeitsvertrag erwachsen, bereits ab dem ersten Arbeitstag im Betrieb. Die M├Âglichkeit der Abnahme und der Geltendmachung dieser Anspr├╝che ist immer getrennt von ihrer Entstehung zu bewerten.┬á

Die gesetzliche Probezeit betr├Ągt bis zu sechs Monate. Im Arbeitsvertrag ist die Vereinbarung einer k├╝rzeren Probezeit m├Âglich. Da das Probearbeitsverh├Ąltnis sich mit Ausnahme des fehlenden allgemeinen K├╝ndigungsschutzes in nichts von einem festen Arbeitsverh├Ąltnis unterscheidet, gelten f├╝r den Urlaubsanspruch bei K├╝ndigung in der Probezeit┬ádieselben Bedingungen wie f├╝r jede andere Beendigung eines Arbeitsverh├Ąltnisses. Daher hat der Arbeitnehmer f├╝r jeden im Betrieb verbrachten Monate einen Anspruch auf ein Zw├Âlftel seines Jahresurlaubs.

Anspruch auf Urlaubsgeld bei Beendigung des Arbeitsverh├Ąltnisses

In ┬ž 11 des Bundesurlaubsgesetzes ist das Urlaubsentgelt geregelt. Dieses Entgelt geh├Ârt als gesetzlicher Bestandteil zum normalen Lohn. Das Urlaubsentgelt ist nach der H├Âhe des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes der letzten dreizehn Wochen vor dem Beginn des Urlaubs zu berechnen. Unabh├Ąngig von der Lohnzahlung w├Ąhrend der Urlaubszeit kann der Arbeitgeber sich freiwillig zur Zahlung von zus├Ątzlichem Urlaubsgeld gegen├╝ber seinen Arbeitnehmern verpflichten.┬á

Damit die Zahlung von Urlaubsgeld entsprechend dem Gleichbehandlungsgrundsatz transparent f├╝r alle Arbeitnehmer in einem Betrieb erfolgt, gibt es auch f├╝r das freiwillig gezahlte Urlaubsgeld Regelungen. H├Ąufig finden sich in Arbeits- und Tarifvertr├Ągen die Konditionen, zu denen Mitte des Jahres ein Urlaubsgeld und Ende des Jahres ein Weihnachtsgeld zus├Ątzlich zum normalen Lohn ausbezahlt werden.┬á

In der Regel muss der Arbeitnehmer mindestens ein Jahr zum Betrieb geh├Âren, damit er einen Anspruch auf Zahlung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erh├Ąlt. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer, die am 01.07. eines Jahres den Betrieb verlassen, vom 01.07. des Vorjahres bis zum 30.06. des laufenden Jahres im Unternehmen t├Ątig gewesen sein m├╝ssen, um den vollen Urlaubsgeldanspruch geltend machen zu k├Ânnen.┬á

Tipp: Arbeits-, Tarifvertrag und aktuelle Urteile beachten

Da in den vergangenen Jahrzehnten die Rechtsprechung mehrfach nachhaltig die Entwicklung des Arbeitsrechts beeinflusst hat, lohnt es sich vor der Geltendmachung aller Ansprüche nach einer Kündigung den Rat eines Rechtsanwalts einzuholen. 

Muss ich Urlaubsgeld bei einer K├╝ndigung zur├╝ck zahlen?

F├╝r eine R├╝ckforderung von Urlaubsgeld gelten die Regelungen im Arbeits- und im Tarifvertrag. Nur in Ausnahmef├Ąllen kann es vertragsbedingt zu einer R├╝ckforderung kommen.

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