Zahlreiche Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern sind mittlerweile vom Dieselskandal betroffen. Diese verwendeten Abschalteinrichtungen, welche als unzulässig eingestuft wurden. Hierdurch versuchten die Hersteller die Vorgaben der EU im Hinblick auf die Abgaswerte zu erreichen.

Die manipulierte Software

Viele Autohersteller haben in Ihre Dieselfahrzeuge illegale Abschalteinrichtungen verbaut und sich somit strafbar gemacht. Doch was ist eigentlich eine illegale Abschalteinrichtung und wie funktioniert diese Manipulationssoftware überhaupt? 

Was ist eigentlichen eine Abschalteinrichtung? 

Wird vom Abgasskandal gesprochen, dann ist immer wieder die Rede von einer unzulässigen Abschalteinrichtung. Doch was ist eigentliche eine solche Abschalteinrichtung? Eins der wichtigsten Ziele von Autoherstellern ist es, eine gute Abgasnorm für ihre Fahrzeuge zu erhalten. Die EU hat hier bestimmte Vorgaben gemacht.

So liegt der Grenzwert für Stickstoffoxide bei 180 Milligramm pro Kilometer für die Abgasnorm 5. Wer die Abgasnorm 6 erhalten möchte, darf mit seinem Fahrzeug den Grenzwert von 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer nicht überschreiten. 

Ob die Autohersteller diesen Grenzwert einhalten können, wird im sogenannten Prüfstand festgestellt. Leider konnten die Autokonzerne jedoch keine Fahrzeuge produzieren, die im realen Betrieb dauerhaft den Grenzwert der EU einhalten können. Somit entwickelten die Autohersteller Strategien, die erkennen konnten, wann sich das Fahrzeug im Prüfstand befindet und wann nicht.

Befand sich das Fahrzeug dann im Prüfstand, wurde der Stickoxidausstoß so runtergeschraubt, dass die Vorgaben der EU erfüllt wurden. Im realen Betrieb war der Stickoxidausstoß dann wieder wesentlich höher. 

Welche Abschalteinrichtungen gibt es? 

Die Autohersteller verwendeten jedoch nicht nur eine Art von Abschalteinrichtung. Eins haben diese Abschalteinrichtungen jedoch gemein: Sie erkennen immer, wenn sich das Fahrzeug im Prüfstand befindet, sodass die Abgasreinigung gemäß den Vorgaben der EU funktioniert. Diese unzulässigen Abschalteinrichtungen wurden verwendet: 

  • Thermofenster:  Bei dem Thermofenster handelt es sich um eine temperaturabhängige Abschalteinrichtung. Diese wurde von Volkswagen, Mercedes und auch Audi verwendet. Durch das Thermofenster im Diesel funktioniert die Abgasreinigung nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Jedoch können die Temperaturbereiche, in denen die Abgasreinigung voll funktioniert, in Deutschland so gut wie gar nicht erreicht werden. Somit fahren Fahrzeuge mit Thermofenstern fast ausschließlich ohne funktionierende Abgasreinigung.
  • Akustikfunktion: Die Akustikfunktion wurde zunächst bei Audi, später bei VW eingesetzt. Diese soll laut Hersteller unerwünschte Motorengeräusche unterdrücken, wird aber ebenfalls als unzulässige Abschalteinrichtung eingestuft. Auch hier erkennt das Fahrzeug, wann es sich im Prüfstand befindet. Das Fahrzeug spritzt dann eine erhöhte Menge AdBlue ein, was dann zu einem geringeren Stickoxidausstoß führt.
  • Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung: Diese Abschalteinrichtung wurde von Daimler verwendet. Bemerkt das Fahrzeug, dass es sich im Prüfstand befindet, werden der Kühlmittelkreislauf sowie das Motoröl langsamer. Somit werden weniger Stickoxide ausgestoßen.
  • Zeitgesteuerte Abschalteinrichtung: Der Fahrzyklus im Prüfstand dauert höchstens 30 Minuten. In einigen Fahrzeugen wurde daher eine zeitgesteuerte Abschalteinrichtung eingebaut. Während der Zeit im Prüfstand funktionierte die Abgasreinigung daher einwandfrei.
  • Lenkwinkel- oder Fahrkurvenerkennung: Hier erkennt die Motorsteuerung anhand der Lenkbewegungen ob sich das Fahrzeug im Prüfstand oder im realen Straßenbetrieb befindet. Erkennt die Motorsteuerung, dass sich das Fahrzeug im Prüfstand befindet, werden die Abgase gemäß  den Vorgaben der EU gereinigt. 

Diese Modelle sind vom Dieselskandal betroffen

Mittlerweile sind nicht nur die Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen vom Dieselskandal betroffen. Auch die Tochtergesellschaften von Volkswagen sowie Fahrzeuge des Daimler-Konzerns haben unzulässige Abschalteinrichtungen in ihre Fahrzeuge verbaut. 

Hinweis: Juristische Klarheit erlangen

Wenn Sie in Hinblick auf Ihre juristischen Möglichen unsicher sind, kann ein Gespräch mit einem spezialisierten Anwalt im Dieselskandal hilfreich sein.

Welche Modelle sind bei Volkswagen vom Dieselskandal betroffen?

Beim Autokonzern Volkswagen wurde der Abgasskandal erstmals bekannt. Da Volkswagen der größte Autohersteller weltweit ist, sind somit auch zahlreiche Fahrzeuge vom Abgasskandal umfasst. Der erste betroffene Motortyp war der EA 189. Es handelte sich um die 1.2 Liter-Diesel, 1.6. Liter-Diesel und 2.0 Liter-Diesel Motoren.  Der Nachfolgemotor EA288 ist ebenfalls vom Abgasskandal betroffen. 

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Nachfolgende Modelle verfügen über eine unzulässige Abschalteinrichtung. Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge, die hauptsächlich zwischen 2005 und 2015 hergestellt wurden: 

  • VW Amarok 3.0 TDI
  • VW Arteon (2.0)
  • VW Beetle (1,6 TDI und 2,0 TDI) 
  • VW Caddy (1.6 TDI, 1.6 TDI BlueMotion Technology, 2.0 TDI, 2.0 TDI BlueMotion Technology) 
  • VW CC (2.0)
  • VW Eos (2.0 TDI)
  • VW Golf (1.4 TSI, 1.6 TDI)
  • VW Golf VI (GTD, 1.6 TDI, 1.6 TDI BlueMotion,1.6 TDI BlueMotion Technology, 12.0 TDI, Variant, Cabrio, Golf Plus)
  • VW Golf VII 1.6 TDI Variant (Euro 6) (1.6 und 2.0)
  • VW Golf Sportsvan (1.6 und 2.0)
  • VW Jetta VI (1.6 und 2.0)
  • VW Passat B6, B7 und CC (1.6 TDI BlueMotion, 1.6 TDI BlueMotion Technology, 2.0 TDI BlueMotion Technology)
  • VW Passat (1.4 TSI, 1.6 TDI, 2.0 TDI, 2.0 TDI Variant)
  • VW Passat B8 (1.6 und 2.0)
  • VW Phaeton 3.0 TDI
  • VW Polo (1.6 TDI, 1.6 TDI BlueMotion Technology)
  • VW Polo (1,4 TSI, 1.6 TDI)
  • VW Polo VI (1.6)
  • VW Scirocco (2.0 TDI, 2.0 TDI BlueMotion Technology) + Scirocco III (2.0)
  • VW Sharan I und II (2.0 TDI BlueMotion Technology, 2.0 TDI BlueMotion) 
  • VW Sharan Highline
  • VW Sharan II (2.0)
  • VW Tiguan (2.0 TDI) 
  • VW Tiguan II (2.0)
  • VW T-Roc (1.6 und 2.0)
  • VW Touareg 3.0 TDI
  • VW Touran II (1.6 und 2.0)
  • VW Touran (1.6 TDI, 2.0 TDI) 
  • VW Transporter
  • VW T5 Multivan (2.0 TDI) 
  • VW T6 Transporter 2.0 TDI

Welche Modelle sind bei Audi vom Dieselskandal betroffen? 

Die Audi-AG ist eine Tochtergesellschaft von Volkswagen. Auch in diesen Fahrzeugen wurden Motoren mit einer unzulässigen Software verbaut. Hierbei handelt es sich insbesondere um die Motorentypen EA 189, EA288 und EA897 mit 3 Liter und 4,2 Liter Hubraum. Folgende Fahrzeug-Modelle von Audi im Dieselskandal sind betroffen: 

  • Audi A1
  • Audi A3
  • Audi A4
  • Audi A5
  • Audi A6
  • Audi A7
  • Audi A8
  • Audi SQ5
  • Audi Q3
  • Audi Q5
  • Audi Q7
  • Audi TT

Welche Modelle sind bei Skoda vom Dieselskandal betroffen? 

Auch Skoda ist eine Tochtergesellschaft von VW, somit wurden für die Fahrzeuge ebenfalls die VW-Dieselmotoren EA189 mit der Abgasnorm  5 verbaut. Auch der Nachfolgemotor EA288 befindet sich in einigen Skoda-Modellen. Folgende Fahrzeuge des Herstellers Skoda sind vom Abgasskandal betroffen: 

  • Skoda Fabia
  • Skoda Karoq
  • Skoda Kodiaq
  • Skoda Octavia
  • Skoda Rapid
  • Skoda Roomster
  • Skoda Superb
  • Skoda Yeti

Welche Modelle sind bei SEAT vom Dieselskandal betroffen? 

Bei SEAT wurden in der Zeit von 2008 und 2015 der VW-Diesel-Motor Typ EA189 mit der Abgasnorm Euro 5 verwendet. Auch der Nachfolgemotor EA288 mit der Abgasnorm 6 wurde von SEAT verbaut. Somit sind fast alle SEAT-Fahrzeuge ebenfalls vom Dieselskandal betroffen. 

  • SEAT Alhambra
  • SEAT Altea 
  • SEAT Ateca 
  • SEAT Exeo
  • SEAT Ibiza
  • SEAT Leon 
  • SEAT Tarraco 
  • SEAT Toledo 

Welche Modelle von Porsche sind im Dieselskandal betroffen? 

Auch einige Modelle von Porsche sind vom Abgasskandal umfasst. Porsche hat sich anfangs darauf berufen, selbst keine Diesel-Motoren herzustellen, sondern die von Audi hergestellten Motoren zu verwenden. Audi musste jedoch zugeben, selbst bei den größeren Motoren (3.0 Liter) geschummelt zu haben. Die betroffenen Motoren EA897 und EA898 wurden auch in Porsche-Modellen verbaut. 

  • Porsche Cayenne
  • Porsche Macan
  • Porsche Panamera

Welche Modelle sind bei BMW im Dieselskandal betroffen? 

Nach der Umstellung auf die Abgasnorm 5 und Abgasnorm 6 leidet auch das Image des bayerischen Autoherstellers BMW, denn auch hier haben Messungen ergeben, dass der Stickoxidausstoß im Realbetrieb höher ist als im Prüfstand. Betroffen hiervon sind insbesondere die 2.0 Liter und 3.0 Liter Dieselmotoren aus den Baujahren 2012 bis 2017

  • BMW M550d xDrive Limousine 
  • BMW M550d xDrive Touring 
  • BMW X3 xDrive20d
  • BMW X1 xDrive18d
  • BMW X5 xDrive 25d 
  • BMW 318 d Touring 
  • BMW 320 d 
  • BMW 320 d GT xDrive 
  • BMW 420 d Gran Coupé
  • BMW 520 d Touring 
  • BMW 530 d 
  • BMW 750d xDrive 
  • BMW 750Ld xDrive 

Welche Modelle sind von Opel im Dieselskandal betroffen? 

Die Diesel-Fahrzeuge von Opel weisen ebenfalls höhere Abgaswerte auf. Opel hatte sich hier in einer freiwilligen Rückrufaktion verpflichtet, die betroffenen Fahrzeuge nachzurüsten. Bei den betroffenen Modellen handelt es sich um Fahrzeuge mit der Abgasnorm 6, welche in den Jahren 2013 bis 2016 hergestellt wurden. 

  • Opel Cascada 2,0 l
  • Opel Insignia 2,0 l
  • Opel Zafira 1,6 l
  • Opel Zafira 2,0 l

Welche Modelle von Mercedes sind im Dieselskandal betroffen? 

Auch der Daimler-Konzern ist vom Abgasskandal betroffen. 2018 gab es bereits eine offizielle Rückrufaktion für den Mercedes Vito. Die Abgaswerte in anderen Modellen von Mercedes werden durch Thermofenster verfälscht.

Betroffene Modelle sind unter anderem:

  • C-Klasse
  • CLS
  • E-Klasse
  • G-Klasse
  • GL
  • GLC
  • GLE
  • GLK
  • LS
  • M-Klasse
  • S-Klasse
  • SLK
  • SLC
  • Sprinter
  • V-Klasse
  • Vito

Derzeit wird davon ausgegangen, dass folgenden Motortypen betroffen sind: 

Diese Ansprüche haben Sie als Betroffene im Dieselskandal

Der Einbau einer unzulässigen Abschalteinrichtung wird von den Gerichten als vorsätzliche sittenwidrige Schädigung beurteilt, weshalb Ihnen als Betroffener auch Schadensersatzansprüche zustehen. Bei finanzierten Fahrzeugen kann möglicherweise der Kreditvertrag widerrufen und somit der Kaufvertrag rückabgewickelt werden. 

Tipp: Berechnen Sie Ihren Anspruch

Nutzen Sie unseren Dieselskandal Rückabwicklungsrechner und berechnen, wie hoch Ihr Anspruch für Ihren Diesel ist.

Wie machen Sie Schadensersatz geltend? 

Sollten Sie vom Kraftfahrt-Bundesamt darauf hingewiesen worden sein, dass Ihr Fahrzeug von einer Rückrufaktion umfasst ist, können Sie davon ausgehen, dass eine unzulässige Abschalteinrichtung verwendet wurde. 

  • Ansprüche gegen den Händler: Diese sind meistens schon verjährt. Als Käufer eines Neufahrzeuges können Sie nur zwei Jahre nach Übergabe die gesetzliche Gewährleistung geltend machen.
  • Ansprüche gegen den Hersteller: Diesen können Sie wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung auf Schadensersatz verklagen. Gerichte sprechen jedoch eine Nutzungsentschädigung zu, welche auf den gezahlten Kaufpreis angerechnet wird. 

Welche Möglichkeit gibt es bei finanzierten Fahrzeugen? 

Sollten Sie keinen Anspruch auf Schadensersatz mehr haben, können Sie auch den Kredit für Ihr Fahrzeug widerrufen. Normalerweise können Sie einen Kreditvertrag nur 14 Tage lang widerrufen, doch wenn sich ein Fehler im Vertrag befindet, fängt die Widerrufsfrist nicht an zu laufen. Somit kann der Vertrag auch noch Jahre später widerrufen werden.

Da bei einem Autokauf der Kauf- und Kreditvertrag ein verbundenes Geschäft darstellt, wird bei Widerruf des Kreditvertrages auch der Kaufvertrag rückabgewickelt. Bei dieser Variante spielt es daher keine Rolle, ob Ihr Fahrzeug vom Dieselskandal betroffen ist. 

Ihre Experten im Dieselskandal

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Thorsten Köhn, Rechtsanwalt für Verkehrsrecht, und sein Kanzleiteam stehen Ihnen bei Fragen und Problemen zum Dieselskandal zur Seite und prüfen kostenlos Ihre Ansprüche.

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