Wer zum Ende eines Besch├Ąftigungsverh├Ąltnisses eine Abfindung erh├Ąlt, kann sich freuen. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass die Abfindung versteuert werden muss. Bis 2005 war eine erhaltene Abfindung n├Ąmlich steuererm├Ą├čigt. Heute ist das nicht mehr so.

Die Abfindung als Entsch├Ądigungszahlung

Die Abfindung ist keine Verg├╝tung. Sie ist eine Entsch├Ądigungszahlung, welche der Arbeitgeber als Entsch├Ądigung f├╝r den Verlust des Arbeitsplatzes bezahlt. Die Abfindungszahlung ist daher frei von Sozialabgaben. Sie m├╝ssen also keine Beitr├Ąge an die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen. Anders sieht dies bei der Steuer aus. Da die Abfindung mit dem normalen Gehalt ausbezahlt wird, m├╝ssen Sie sie grunds├Ątzlich versteuern.

Die Steuer auf die Abfindung f├╝hrt Ihr Arbeitgeber direkt mit der regul├Ąren Einkommensteuer ab. ├ähnlich wie bei einer Lohnerh├Âhung steigt dadurch Ihr Steuersatz an. Die Steuerprogression schl├Ągt zu und Sie m├╝ssen die Abfindung deutlich erh├Âht versteuern. Doch es gibt eine M├Âglichkeit dies zu vermeiden: die sogenannte F├╝nftelregelung erniedrigt den Steuersatz wieder und wirkt sich damit steuersenkend aus.

Wann handelt es sich um eine Entsch├Ądigungszahlung?

Eine Entsch├Ądigung im Sinne des EStG liegt dann vor, wenn die erhaltene Abfindung bei K├╝ndigung ein Ausgleich f├╝r einen vorzeitig beendeten Arbeitsvertrag darstellt. Diese wird in der Regel in einem Aufhebungsvertrag oder bereits im Arbeitsvertrag vereinbart oder im Rahmen einer K├╝ndigungsschutzklage festgesetzt. Diese vertragliche Vereinbarung ist dann eine Voraussetzung daf├╝r, dass es sich nachweislich um eine Entsch├Ądigungszahlung handelt. Den Aufhebungsvertrag zu pr├╝fen ist dabei sehr wichtig. Nur so k├Ânnen Sie Ihre Anspr├╝che geltend machen.

Die Abfindung darf also keine Bezahlung f├╝r bereits geleistete Arbeit (ausstehender Lohn, ├ťberstundenausgleich etc.) sein, sondern muss als Entsch├Ądigung f├╝r k├╝nftig ausfallenden Lohn dienen.

Die Steuerlast mit der F├╝nftelregelung senken

Wenn Sie Ihre Abfindung versteuern, kann es aufgrund der Steuerprogression zu einem hohen Steuersatz kommen. Um diese Ungerechtigkeit abzumildern, wurde die sogenannte F├╝nftelregelung eingef├╝hrt. Die Regelung ist in ┬ž 34 EStG┬ázu finden. Sie soll den steigenden Steuersatz in Grenzen halten. Dies geschieht, indem die erhaltene Abfindung gef├╝nftelt wird.

Rechnerisch erhalten Sie somit die Abfindung auf f├╝nf Jahre verteilt und die Steuerlast sinkt wieder. Ist die F├╝nftelregelung f├╝r Sie geeignet, soll der Arbeitgeber diese bei der Abrechnung Ihres Einkommens bereits anwenden. Vergisst er dies, k├Ânnen Sie dies im Rahmen Ihrer Einkommensteuererkl├Ąrung f├╝r das betreffenden Jahr korrigieren. Um die F├╝nftelregelung in Anspruch nehmen zu d├╝rfen gibt es zwei Voraussetzungen.

  1. Bei der Abfindung muss es sich um eine Entsch├Ądigungszahlung im Sinne des ┬ž 24 EStG handeln.
  2. Es muss eine Zusammenballung von Eink├╝nften innerhalb eines Jahres vorliegen.

Wie m├╝ssen Sie die Abfindung in der Einkommensteuererkl├Ąrung vermerken?

Wie oben beschrieben, sollte Ihr Arbeitgeber die F├╝nftelregelung bei der Abf├╝hrung der Einkommensteuer auf die Abfindung bereits anwenden, wenn sie Ihnen Vorteile bringt. Entsprechend ist auf der Lohnsteuerbescheinigung die Abfindung dann unter „Einmalzahlungen f├╝r mehrere Jahre“ vermerkt.

Ist dies nicht der Fall, sollten Sie hier die H├Âhe der Abfindung eintragen und den Betrag des oben genannten Bruttolohnes entsprechend mindern. Legen Sie dem Finanzamt eine Kopie des Vertrages bei, aus dem die H├Âhe der Abfindung und der Abfindungsgrund hervorgehen (Aufhebungsvertrag, Urteil des Arbeitsgerichts).

Die Zusammenballung von Eink├╝nften

Eine weitere Bedingung f├╝r die Anwendbarkeit der F├╝nftelregelung ist die sogenannte Zusammenballung von Eink├╝nften innerhalb eines Jahres. Eine Zusammenballung liegt vor,

  • wenn die Entsch├Ądigung h├Âher ist als der Lohn, der durch die Aufl├Âsung des Arbeitsvertrages weggefallen ist. Es wird hierbei fiktiv berechnet, wie viel Einkommen vorhanden gewesen w├Ąre, wenn das Arbeitsverh├Ąltnis nicht beendet worden w├Ąre.
  • wenn die Entsch├Ądigungszahlungen geballt innerhalb eines Jahres eintreffen. Ausnahme: die Teilbetr├Ąge, welche au├čerhalb des Ballungsjahres flie├čen, betragen maximal 5 % der Gesamtsumme.

Kurz und knapp: Sie m├╝ssen im entsprechenden Jahr durch die Abfindung insgesamt mehr Einnahmen erhalten, als Sie bei einer Weiterbesch├Ąftigung erhalten h├Ątten und die Zahlungen m├╝ssen innerhalb eines Jahres eintreffen.

Beispiel: Zusammenballung in der Praxis

Ihr bisheriges Monatsbrutto betr├Ągt 3.000 EUR. Ihr Arbeitsverh├Ąltnis endete zum 31.08. eines Jahres. Sie erhalten eine Abfindung in H├Âhe von 15.000 EUR. Diese zahlt der Arbeitgeber Ihnen auf einmal mit der letzten Lohnabrechnung f├╝r August aus. Ihr Jahresbruttoeinkommen betr├Ągt somit 39.000 EUR (8 x 3.000 EUR + 15.000 EUR Abfindung).

H├Ątten Sie noch das gesamte Jahr weitergearbeitet, h├Ątte Ihr Einkommen 36.000 EUR betragen (12 x 3.000 EUR). Bedingung eins ist somit erf├╝llt. Sie haben zudem die Abfindung innerhalb eines Jahres erhalten und damit Bedingung zwei ebenfalls erf├╝llt. Es liegt eine Zusammenballung der Eink├╝nfte vor und Sie k├Ânnen die F├╝nftelregelung anwenden.

M├Âchte der Arbeitgeber die Abfindung in Raten begleichen? Achten Sie bei der Vereinbarung ├╝ber die Zahlung der Abfindung darauf, dass mindestens 95 % der Gesamtzahlung innerhalb eines Jahres zuflie├čen. Ansonsten d├╝rfen Sie von der F├╝nftelregelung keinen Gebrauch machen.

Berechnung der F├╝nftelregelung

Die F├╝nftelregelung verteilt die zus├Ątzlichen Einnahmen rechnerisch auf f├╝nf Einkommensjahre. Das mildert die Steuerprogression, sodass die Steuerlast sinkt. Die Berechnung wird in folgender Art durchgef├╝hrt.

  • Die regul├Ąre Einkommensteuer ├╝ber das erhaltenen Einkommen (ohne Abfindung) wird errechnet.
  • Ein F├╝nftel der au├čerordentlichen Eink├╝nfte (Abfindung) wird berechnet.
  • Das aus Schritt 1 zu versteuernde Einkommen und das berechnete F├╝nftel aus Schritt 2 werden addiert.
  • Aus diesem Betrag aus Schritt 3 wird die Steuer errechnet.
  • Die Differenz des Betrages aus Schritt 1 und dem Ergebnis von Schritt 4 wird verf├╝nffacht und stellt die abgemilderte Einkommensteuer f├╝r die Abfindung dar.
  • Die Gesamtsteuer f├╝r das entsprechende Kalenderjahr betr├Ągt die Steuersumme aus Schritt 1 und dem Ergebnis aus Schritt 5.

Beispiel: Die F├╝nftelregelung angewandt

Wir verwenden erneut die Zahlen aus dem Beispiel oben. Ihre Abfindung betr├Ągt 15.000 EUR. Ihr Einkommen bis zum Ende des Arbeitsverh├Ąltnisses 24.000 EUR (8×3.000 EUR). Weiteres Einkommen liegt in diesem Kalenderjahr nicht vor.

(1) Ermittlung der regul├Ąren Einkommensteuer auf 24.000 EUR. Bei einem Steuersatz von 15,42 % betr├Ągt die Einkommensteuer darauf gerundet 3.700 EUR.

(2) Ein F├╝nftel der Abfindung in H├Âhe von 15.000 EUR betr├Ągt 3.000 EUR.

(3) 24.000 EUR Einkommen und 3.000 EUR als F├╝nftel der Abfindung ergeben 27.000 EUR.

(4) Die Einkommensteuer auf 27.000 EUR betr├Ągt bei einem Steuersatz von 17,08 % gerundet 4.600 EUR.

(5) 4.600 EUR abz├╝glich 3.700 EUR aus Schritt 1 ergeben 900 EUR. Dieser Betrag wird auf 4.500 EUR verf├╝nffacht. Dieser Betrag ist die abgemilderte Einkommensteuer.

(6) F├╝r das gesamte Jahr betr├Ągt die Einkommensteuer 8.200 EUR.

Zum Vergleich: W├Ąre die gesamte Abfindung zusammen mit dem regul├Ąren Einkommen versteuert worden (39.000 EUR), h├Ątte sich bei einem Steuersatz von 22,24 % eine Einkommensteuer in H├Âhe von gerundet 8670 EUR ergeben. Die Ersparnis durch die F├╝nftelregelung betr├Ągt entsprechend gerundet 470 EUR.

Nachteile der F├╝nftelregelung

Den gro├čen Vorteil der F├╝nftelregelung haben vor allem solche Arbeitnehmer, die langj├Ąhrig besch├Ąftigt waren oder aus anderen Gr├╝nden eine hohe Abfindung erhalten, aber grunds├Ątzlich keinen hohen Steuersatz auf ihr regul├Ąres Einkommen leisten m├╝ssen. Denn genau in diesen F├Ąllen w├╝rde eine hohe Abfindung den Steuersatz deutlich in die H├Âhe treiben.

Arbeitnehmer, welche sehr gut verdienen und ohnehin einem hohen Steuersatz unterliegen, profitieren dagegen deutlich weniger von der F├╝nftelregelung oder im Extremfall ├╝berhaupt nicht. In diesen F├Ąllen ist und bleibt der Steuersatz einfach hoch, egal ├╝ber wie viele Jahre die Abfindung fiktiv angerechnet wird. Einen Nachteil gibt es durch die F├╝nftelregelung nicht. F├╝r Spitzenverdiener spielt sie lediglich keine Rolle.

Unterliegt die Abfindungssumme der Kirchensteuer?

Da die Abfindung mit dem regul├Ąren Einkommen ausbezahlt wird, unterliegt diese auch der Kirchensteuerpflicht. Die Kirchensteuer wird also auf die gesamte Abfindungsh├Âhe berechnet und an das jeweilige Kirchensteueramt abgef├╝hrt. Die F├╝nftelregelung greift hier nicht. Jedoch gibt es die M├Âglichkeit, einen Teil der Kirchensteuer erlassen zu bekommen. Die ist nur auf Antrag m├Âglich.

Es gibt auf die Herabsetzung der Kirchensteuer zwar keinen Rechtsanspruch, aber auf eine wohlwollende Pr├╝fung durch das Kirchensteueramt. In der Regel wird Ihnen die Kirchensteuer auf Antrag um 50 % erlassen. Nur in seltenen F├Ąllen wird der Antrag abgelehnt. Viel zu sehr f├╝rchten die Kirchen, dass Ihre Mitglieder vor der Zahlung der Abfindung aus der Kirche austreten ÔÇô oder danach aus ├ärger ├╝ber die hohe Zahlung.

Empfehlung: Herabsetzung der Kirchensteuer beantragen

Stellen Sie bei Ihrem Kirchensteueramt einen formlosen Antrag auf Erlass von 50 % der auf die Abfindung entfallenden Kirchensteuer. F├╝gen Sie dem Antrag eine Kopie Ihres Einkommensbescheides bei.

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