Bekomme ich eine Abfindung und wenn ja, mit wieviel Geld kann ich rechnen? Diese Frage beschäftigt viele Arbeitnehmer am Ende eines Arbeitsverhältnisses. Im Internet kursiert eine einfache Faustformel, mit der sich die ungefähre Höhe einer Abfindung berechnen lässt.

Diese Formel gibt aber nur eine sehr grobe Orientierung. Denn eine Abfindung ist immer Verhandlungssache und diese fünf Faktoren haben großen Einfluss darauf, wie viel Abfindung ein Arbeitnehmer verlangen kann.

Hinweis: Faustformel zur Berechnung von Abfindungen

Eine einfache Faustformel, um zu berechnen, wie hoch eine Abfindung ungefähr sein sollte ist: Ein halbes Monatsgehalt pro Jahr der Beschäftigung. Wer also fünf Jahre im Unternehmen war und 6000 EUR im Monat verdient hat, kann rechnen:
0,5 x 6000 x 5 = 15.000

1. War die Kündigung rechtmäßig?

Wollen größere Betriebe ihre Belegschaft reduzieren, dürfen sie nicht einfach beliebigen Arbeitnehmern kündigen. Beispielsweise müssen sie den Sozialausgleich, formelle Vorgaben und betriebliche Mitbestimmung berücksichtigen.

Viele Kündigungen sind deswegen vor dem Arbeitsgericht leicht angreifbar – und das ist Arbeitgeber oft auch klar. Haben Arbeitgeber eine eigentlich unwirksame Kündigung ausgesprochen, sind sie deswegen oft auch bereit, höhere Abfindungen zu zahlen.

2. Wie war Ihr Stand im Unternehmen?

Wer eine bessere Position im Unternehmen hatte, gut vernetzt war und sich ein gutes Standing erarbeitet hatte, hat auch eine bessere Ausgangssituation für Abfindungsverhandlungen. Einen einflussreichen und allseits beliebten Arbeitnehmer vor die Tür zu setzen und die Person dann noch mit einer knauserigen Abfindung abzuspeisen, bedeutet nämlich ein hohes Risiko für Unruhe im ganzen Betrieb. Um Ärger zu vermeiden, lassen sich Arbeitgeber unter solchen Umständen oft auf höhere Abfindungszahlungen ein.

3. Ist überhaupt etwas zu holen?

Wird ihnen gekündigt, weil Ihr Arbeitgeber insolvent ist, nehmen viele Arbeitnehmer das einfach so hin. Dabei kann eine Insolvenz bedeuten, dass sich rechtliche Schritte gegen den Arbeitgeber nicht lohnen, weil gar kein Geld zu verteilen ist, das muss aber keineswegs so sein.

Beispiel: Kündigungen bei Wirecard

Die Wirecard-Pleite hat den ganzen Sommer über Schlagzeilen gemacht. Riesige Mengen Investorenkapital wurden vernichtet. Trotzdem haben wir für eine Mandantin eine substantielle Abfindung durchgesetzt. Denn im Fall Wirecard gibt es durchaus noch Vermögenswerte, auf die Wirecard als Arbeitgeber zugreifen konnte.

4. Welches Gericht ist zuständig?

Viele Arbeitsgerichte sind überlastet, einige allerdings deutlich stärker als andere. Ist ein Gericht überlastet, bedeutet das natürlich, dass die einzelnen Verfahren länger dauern. Ist das bei Ihrem zuständigen Arbeitsgericht der Fall, ist der Arbeitgeber oft bereit, eine höhere Abfindung zahlen – denn so lange das Verfahren dauert, muss er den Lohn weiter zahlen. Ein versierter Anwalt im Arbeitsrecht kennt die Situation an den einzelnen Gerichten genau und kann dieses Wissen zu Ihrem Vorteil einsetzen.

5. Wie geht es Ihnen damit?

Arbeit ist das halbe Leben, heißt es. Vielen Menschen verlangt es psychisch einiges ab, eine Auseinandersetzung in diesem wichtigen Lebensbereich zu führen. Gerade wenn der Kündigung Ärger mit dem Vorgesetzten oder Mobbing im Team vorangingen, kann ein Klageverfahren sehr belastend sein. In manchen Situationen ist es besser, eine geringere Abfindung zu akzeptieren als sich in einer Konfrontation aufzureiben.

Holen Sie sich kompetente Unterstützung bei Abfindungsverhandlungen

Sie sehen es, die Frage: Wie hoch sollte meine Abfindung sein, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Vielzahl von Rahmenbedingungen muss berücksichtigt werden, um eine seriöse Einschätzung vorzunehmen und eine erfolgversprechende Strategie zu erarbeiten. Wenden Sie sich frühzeitig an einen kompetenten Arbeitsrechts-Anwalt, der Ihre Position einschätzen kann, damit Sie sich nicht in aussichtslosen Konflikten verrennen, Sie aber von der Arbeitgeberseite auch nicht übervorteilt werden.

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