Während gewerbliche Händler in der Regel Einfuhrbestimmungen bekannt sind, denken viele privat Reisende oft nicht rechtzeitig daran. Trotz offener Grenzen innerhalb Europas sind nach wie vor die Zollvorschriften in Kraft, für Waren aus Nicht-EU-Ländern gelten sogar strengere Vorgaben.

Einfuhrzoll: Bestimmungen in Deutschland

Die Zoll-Einfuhrbestimmungen in Deutschland richten sich nach zwei Einteilungen. Für die Einfuhr von Waren und Souvenirs aus der EU sind die Vorschriften erleichtert. Wer aus Drittländern Ware einführt, muss mit engeren Vorschriften und einem höheren Einfuhrzoll rechnen.

Was gilt für Waren und Mitbringsel aus EU-Ländern?

Die zollrechtlichen Vorschriften sind innerhalb der EU großzügig geregelt. Dennoch gilt es einiges zu beachten, damit man vor Überraschungen an der Grenze oder am Flughafen sicher ist.

Waren, die dem persönlichen Bedarf entsprechen, dürfen bis auf wenige Warengruppen in diesem Rahmen abgabenfrei eingeführt werden. Ausnahmen gelten für

  • Genussmittel wie Alkohol, Tabak und Zigaretten
  • Treibstoffe wie Benzin und Diesel
  • Einfuhr von Kraftfahrzeugen

Übersteigt die Einfuhr dieser Waren die festgelegten Freimengen, ist darauf Einfuhrzoll zu entrichten. Er richtet sich nach der Ware und dem Warenwert. Aus der Angabe des Transportmittels wie Flugzeug, Schiff oder Kraftfahrzeug sowie dem Lebensalter ergibt sich, wie hoch die Freimenge ist. 

Die genaue Höhe des Einfuhrzolls ist jedoch nur bei der direkten Einfuhr zu ermitteln. Diesen Einfuhrzoll zu bezahlen, kann sich jedoch bei bestimmten Waren durchaus rentieren. Nähere Auskünfte gibt Ihnen vorab das Zollamt.

Für welche Gebiete gibt es Sonderregelungen?

Die Staaten der EU und die Zollgebiete der EU sind nicht unbedingt identisch. Für einige Regionen gelten deshalb Sonderregelungen. Die Reisefreimengen für Souvenirs und andere Waren entsprechen hier meist denen für Nicht-EU-Staaten.

Zu den Ausnahmegebieten gehören:

  • Büsingen
  • Helgoland
  • die Inselgruppe der Faröer
  • Teile der französische Kolonien und Inseln mit Ausnahme von Korsika
  • Livigno
  • niederländische Kolonialgebiete
  • Ceuta und Melilla
  • der türkische Teil Zyperns
  • Gibraltar

Müssen neben Einfuhrzoll auch Steuern bezahlt werden?

Für eine Reihe anderer Gebiete, die zwar zum Zollgebiet der EU gehören, gelten Sonderregelungen für Verbrauchssteuern und Mehrwertsteuern. Die zollrechtlichen Bestimmungen entsprechen denen für die Einreise aus Nicht-EU-Ländern. Dennoch wird kein Einfuhrzoll fällig, es wird lediglich die Einfuhrumsatzsteuer und eine eventuell anfallende Verbrauchssteuer erhoben.

Von dieser Sonderregelung sind betroffen:

  • die britischen Kanalinseln
  • die französischen Überseedepartements wie Martinique, Guadeloupe, Réunion und andere
  • die Kanaren
  • Campione d’Italia und das italienische Gebiet am Luganer See (zwischen Ponte Tresa und Porto Ceresio)
  • die Ålandinseln
  • der Berg Athos (Griechenland)

Was gilt für Rückkehrer aus Nicht-EU-Ländern?

Reisende, die aus anderen Ländern als den EU-Staaten nach Deutschland zurückkehren, haben eine Vielzahl von Vorschriften zu beachten. Bestimmte Waren dürfen generell nicht, nur mit Auflagen oder Ausnahmegenehmigungen eingeführt werden. 

Zu den besonderen Vorschriften gehört auch, dass der Transport der Waren nach Deutschland unterschiedlich bewertet wird. Werden sie tatsächlich mitgeführt, also im selben Transportmittel gleichzeitig mit den Personen befördert, greifen andere Bestimmungen, als wenn die Waren vorab per Post, Kurierdienst oder Spedition aufgegeben werden. 

Tipp: Vorab erkundigen vermeidet Einfuhrzoll

Möchten Sie Reisegepäck oder Mitbringsel getrennt von Ihrem Flug oder der Bahnfahrt nach Hause schicken, erkundigen Sie sich besten vorab bei Ihrem Zollamt nach den Bestimmungen und der Höhe des Einfuhrzolls. Eine andere Planung oder die Beschränkung des Einkaufs vermeidet unnötige Kosten oder gar Schwierigkeiten. 

Der Verwendungszweck der Mitbringsel gilt bei Reisenden aus der Nicht-EU besondere Aufmerksamkeit. Die Waren dürfen ausschließlich für den eigenen Bedarf und Gebrauch, dem der Familienmitglieder oder als angemessene Geschenke bestimmt sein. Die Einfuhr für einen gewerblichen Zweck ist in diesem Rahmen verboten.

Empfehlung: Einkaufsbelege verlangen und mit sich führen

Selbst Reisende, die aus der Schweiz über Österreich nach Deutschland einreisen, sind häufig aufgefordert, ihre Einkäufe offen zu legen und den Wert durch Quittungen nachzuweisen. Umso mehr gilt dies für außereuropäische Staaten. Lassen Sie sich deshalb nach Möglichkeit immer – auch beim Kauf auf Märkten – einen Einkaufsbeleg ausstellen.

Gerade Reisende aus der Schweiz oder der Türkei vergessen mitunter, dass sie aus einem Nicht-EU-Land zurückkehren. Die Einhaltung der Freigrenzen ist jedoch auch hier wichtig, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen. 

Was passiert zollrechtlich mit Rückwaren?

Mitunter kommt es an der Grenze oder auf Flughäfen zu unnötigen Diskussionen: Die Zollbeamten finden teure Kameras, Computer oder Schmuck im Gepäck vor. Auch das eigene, in den Urlaub mitgenommene Fahrrad kann auf der Heimfahrt an der Grenze zum Problem werden.

Tipp: Nachweise ersparen Ärger

Nehmen Sie für teure Waren, die sie im Urlaub mit sich führen möchten, Kaufbelege mit. Fehlen Ihnen solche Unterlagen, können Sie sich vor der Ausreise aus Deutschland an der Grenze den sogenannten “Nämlichkeitsnachweis” ausstellen lassen. Er besagt, dass der dort beschriebene wertvolle Gegenstand als Rückware zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit nach Deutschland gebracht wird.

Wie werden Internetbestellungen gehandhabt?

Anders als bei Reisen und Mitbringseln werden Bestellungen aus China, den USA, Indien oder anderen Nicht-EU-Ländern strenger gehandhabt. Hier wird bereits bei geringerem Warenwert Importzoll fällig. Dazu gelten für die Einfuhr weitere Vorschriften, etwa bei Lebensmitteln, Medikamenten oder Kulturgütern. Eine ausführliche Recherche oder Rückfrage beim Zoll, was für Ihr Reiseland gültig ist, bewahrt Sie vor unangenehmen Überraschungen.

Darf Ware aus dem Duty-Free-Shop unbegrenzt eingeführt werden?

Im Duty-Free-Shop können Sie Waren unversteuert erwerben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Grenze für die Freimenge aufgehoben wird. Abgabenfrei sind für Reisende aus Nicht-EU-Ländern nur die Waren, die unterhalb dieser Grenze liegen. Überschreiten Menge oder Warenwert diese Richtlinien, werden Einfuhrabgaben fällig. 

Hinweis: EU-Regelungen beachten

Für Reisen innerhalb der EU gilt, dass alle Waren, die im Duty-Free-Shop erworben wurden, bei der Einreise nach Deutschland beim Zoll angemeldet werden müssen. Einfuhrumsatzsteuer, Zollgebühren und teils Verbrauchssteuer sind zu bezahlen. 

Einfuhrzoll: Freimengen innerhalb und außerhalb der EU

Damit die Wirtschaft innerhalb der EU gestärkt wird, sind die Freigrenzen für Waren und Mitbringsel aus EU-Ländern höher angesetzt als die Mengen, die aus anderen Ländern eingeführt werden dürfen. Sie betragen derzeit:

Daneben gelten für Wasserpfeifenwatte, Liquids etc. besondere Regelungen, die vor allem für Reisende aus der Türkei, Indien und dem vorasiatischen und asiatischen Raum wichtig sind. 

Hinweis: Unterschied zwischen verzollen und angeben beachten!

An Grenzen werden Sie gefragt, ob Sie mitgeführte Ware anzugeben haben. Dies bedeutet, dass Sie Mitbringsel immer angeben müssen, auch wenn sie unterhalb der Freimengengrenze liegen. Geschieht dies nicht, sind Sanktionen möglich.

Vergehen gegen die Einfuhrbestimmungen können sowohl Ordnungswidrigkeiten als auch Straftatbestände sein. Die Anmeldung der Ware und die Bezahlung von Zollgebühren ist dagegen ein geringer zeitlicher und finanzieller Aufwand.

Einfuhrzoll: Erstattung ist möglich

In gewissen Fällen ist ein Erlass des Abgabenbetrages oder aber auch eine Erstattung möglich. Unter Erlass versteht man, dass von vornherein unter bestimmten Umständen auf die Entrichtung eines Einfuhrzolls, der zwar angefordert, aber noch nicht bezahlt wurde, verzichtet wird. Bei einer Erstattung wird Einfuhrzoll, der bereits bezahlt wurde, wieder zurückgezahlt.

Erstattet werden können Zollgebühren immer dann, wenn sie in der Sache irrtümlich erhoben wurden, die Berechnung in der Höhe falsch war oder ähnliche wesentliche Gründe vorliegen. Die entsprechenden Formulare stehen auf der Seite des deutschen Zolls zum Download bereit. Hier finden Sie auch nähere Angaben zu den möglichen Erstattungsgründen.