Seit 2015 gibt es den Mindestlohn in Deutschland. Er soll unter anderem dafür sorgen, dass Menschen, die erwerbstätig sind, nicht von Armut gefährdet sind. Was ist der aktuelle Mindestlohn und wer hat Anspruch darauf? Diese und weitere Fragen beantworten wir im Folgenden.
Was ist der Mindestlohneigentlich genau?
Was ist der Mindestlohn in Deutschland? Die Definition ist recht einfach: Der gesetzliche Mindestlohn ist die absolute gesetzliche Untergrenze für die Bezahlung von Arbeit in Deutschland. Kein Arbeitgeber darf seinen Angestellten weniger als diesen vorgeschriebenen Betrag pro geleistete Arbeitsstunde zahlen.
Was viele in diesem Zusammenhang aber vielleicht nicht wissen: In vielen Branchen (z. B. in der Pflege oder im Bauwesen) gelten sogenannte Branchenmindestlöhne. Diese werden durch Tarifverträge ausgehandelt, liegen in der Regel über dem gesetzlichen Mindestlohn pro Stunde und sind für diese spezifische Branche ebenfalls bindend.
Wie hoch ist der aktuelle gesetzliche Mindestlohn in Deutschland?
Wie viel ist der Mindestlohn aktuell? 2026 liegt er bei 13,90 Euro pro Stunde. Damit wurde er im Vergleich zum Jahr 2025, wo er bei 12,82 Euro lag, um 1,08 Euro erhöht.
Hochgerechnet bedeutet der Mindest-Stundenlohn für Beschäftigte Folgendes:
- Bei einer Vollzeitstelle mit 40 Arbeitsstunden pro Wochen liegt beim aktuellen Mindestlohn das Monatsgehalt bei etwa 2.410 Euro brutto.
- Dementsprechend bedeutet ein aktueller Mindestlohn ein Jahresgehalt in Höhe von etwa 28.995 Euro.
Wer hat Anspruch auf das Mindestgehalt?
Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmer ab 18 Jahren Anspruch auf den Mindestlohn in Deutschland. Es gibt nur einige wenige Ausnahmen, bei denen ein niedrigerer Lohn angesetzt werden kann. Dies betrifft:
- Auszubildende,
- Selbstständige,
- Menschen mit Behinderungen im Arbeitsbereich anerkannter Werkstätten,
- ehrenamtlich Tätige,
- Personen, die einen freiwilligen Dienst absolvieren,
- Personen, die an einer Maßnahme der Arbeitsförderung teilnehmen und
- Langzeitarbeitslose innerhalb der ersten sechs Monate, nachdem sie wieder in den Arbeitsmarkt eingetreten sind.
Gut zu wissen: Es wird kein gesetzlicher Mindestlohn in der Ausbildung gezahlt. Es gibt für Auszubildende aber trotzdem Lohnuntergrenzen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Mindestausbildungsvergütung. Im Jahr 2026 liegt diese im ersten Ausbildungsjahr bei 724 Euro brutto.
Ist der Mindestlohn brutto oder netto?
In Deutschland wird in puncto Gehalt bzw. Lohn zwischen netto und brutto unterschieden. Brutto bedeutet in diesem Zusammenhang vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Netto ist demgegenüber der Betrag, der Ihnen tatsächlich ausgezahlt wird. Hiervon wurden Lohnsteuer und Beiträge für Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen.
Ist der Mindestlohn in Deutschland netto oder brutto? Es handelt sich hierbei stets um den Bruttolohn. Das bedeutet: Je nach Einzelfall fällt der Betrag, der auf dem Konto landet, je nach betreffender Person unterschiedlich hoch aus. Ein wichtiger Einflussfaktor ist dabei die Steuerklasse. Damit ist es nicht möglich, pauschal anzugeben, wie hoch der Mindestlohn bei Vollzeit netto ausfällt.
Wann steigt der Mindestlohn? Erhöhung 2027 geplant!
Der Stundenlohn beim Mindestlohn wird regelmäßig angepasst. Aber wann wird der Mindestlohn wieder erhöht? Laut Angaben der Mindestlohnkommission soll es zum 1. Januar 2027 zur nächsten Mindestlohnerhöhung kommen – auf dann 14,60 Euro pro Stunde.
Doch wie wird überhaupt ein neuer Mindestlohn festgelegt? Alle zwei Jahre berät ein unabhängiges Gremium – die Mindestlohnkommission – über die Anpassung des Mindestlohns. Die Kommission orientiert sich nachlaufend an der Tariflohnentwicklung.
Zudem prüft sie, ob der Mindestlohn einen angemessenen Mindestschutz für Beschäftigte bietet und faire Wettbewerbsbedingungen erlaubt, ohne dabei Arbeitsplätze zu gefährden.
Hat die Kommission einen Beschluss gefasst, übergibt sie diesen als Empfehlung an die Bundesregierung. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales setzt den Vorschlag dann per Rechtsverordnung verbindlich in Kraft.
Überblick über den Branchenmindestlohn: Wer bekommt wie viel?
Neben dem gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland gibt es, wie bereits erwähnt, noch sogenannte Branchenmindestlöhne. Hierbei handelt es sich um eine gesetzlich verbindliche Untergrenze für den Lohn, die spezifisch für eine einzelne Wirtschaftsbranche gilt (wie z. B. für die Pflege, das Bauhauptgewerbe oder die Gebäudereinigung). Dabei gilt Folgendes:
- Ein Branchenmindestlohn liegt in der Regel über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Der allgemeine Mindestlohn darf dabei niemals unterschritten werden.
- Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände der jeweiligen Branche vereinbaren den Lohn in einem Tarifvertrag.
- Das Bundesarbeitsministerium erklärt diesen Tarifvertrag auf Antrag für allgemeinverbindlich. Dadurch müssen alle Betriebe dieser Branche diesen Lohn zahlen – selbst, wenn sie gar nicht im Arbeitgeberverband sind oder aus dem Ausland nach Deutschland entsendet werden.
Für einige Branchen haben wir den Mindestlohn in Deutschland in einer Tabelle für Sie zusammengefasst:
Beachten Sie: Früher gab es einen Branchenmindestlohn im Baugewerbe. Seit 2022 kann jedoch bei neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen der gesetzliche Mindestlohn auch im Bau vereinbart werden.
Die Geschichte des Mindestlohns: Wie hat er sich entwickelt?
Für verschiedene Branchen und je nach Tarifvertrag gab es schon seit längerer Zeit einen Mindestlohn für bestimmte Arbeitnehmer – nicht jedoch für alle. Das änderte sich mit dem 1. Januar 2015. Mit dem Mindestlohngesetz (MiLoG) wurde ein allgemein gültiger gesetzlicher Mindestlohn festgelegt. Dieser lag damals bei 8,50 Euro brutto pro Stunde.
Der Mindestlohn wurde in Deutschland aus verschiedenen Gründen eingeführt:
- Ausweitung des Niedriglohnsektors und Lohndumping: Nach den Arbeitsmarktreformen der frühen 2000er-Jahre weitete sich der Niedriglohnsektor in Deutschland massiv aus. In einigen Branchen – wie etwa dem Friseurhandwerk– kam es zu extremen Formen von Lohndumping. Da es keine gesetzliche Untergrenze gab, wurden teilweise Stundenlöhne gezahlt, die weit unter dem gesellschaftlichen Existenzminimum lagen.
- Erosion der Tarifbindung: Traditionell wird die Lohnhöhe in Deutschland über die Tarifautonomie geregelt – also durch Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. Seit den 1990er-Jahren sank die Zahl der tarifgebundenen Unternehmen jedoch drastisch. Da in vielen neu entstandenen Dienstleistungsberufen kaum Gewerkschaftsstrukturen existierten, griff der klassische Tarifschutz für Millionen von Beschäftigten nicht mehr.
- Schutz vor Armut trotz Arbeit durch den Mindestlohn in Deutschland: Vor 2015 gab es eine wachsende Gruppe von Menschen, die trotz einer regulären Vollzeitbeschäftigung armutsgefährdet waren. Zudem führen dauerhaft niedrige Löhne zu geringen Einzahlungen in die Rentenkasse, was die Gefahr von massiver Altersarmut erhöht. Der Mindestlohn sollte dieses Risiko senken.
- Entlastung der Staatskassen: Vor der Einführung des Mindestlohns mussten Hunderttausende Erwerbstätige ihren kargen Lohn mit staatlichen Leistungen (dem damaligen Arbeitslosengeld II / „Hartz IV“) aufstocken, um über die Runden zu kommen. Kritiker bemängelten, der Staat würde damit indirekt Geschäftsmodelle subventionieren, die auf Dumpinglöhnen basieren. Durch den Mindestlohn wurde in Deutschland die Pflicht zur Existenzsicherung wieder primär auf die Arbeitgeber übertragen.
- Herstellung fairer Wettbewerbsbedingungen: Unternehmen, die ihren Angestellten freiwillig faire Löhne zahlten, erlitten oft einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten, die ihre Preise durch extrem niedrige Personalkosten drückten. Der gesetzliche Mindestlohn sollte in Deutschland gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer schaffen. Der Wettbewerb sollte über die Qualität von Produkten und Dienstleistungen laufen, nicht über den Unterbietungswettbewerb bei den Löhnen.
Wie hoch war der Mindestlohn jeweils? Die Entwicklung zeigt die folgende Tabelle:
Bildnachweise: KI-generiert (Gemini) (Vorschaubild)