Typische Blitzer-Fehler
Blitzer müssen in Deutschland strenge Zulassungsprüfungen durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) durchlaufen und regelmäßig geeicht werden. Trotzdem sind die Messgeräte nicht unfehlbar. In der Praxis führen sowohl technische Fehlfunktionen als auch menschliche Anwendungsfehler immer wieder dazu, dass Messergebnisse fehlerhaft und somit rechtlich nicht verwertbar sind.
Bestimmte Blitzer-Typen sind sogar regelrecht bekannt dafür, anfällig für bestimmte Mängel zu sein. Wir listen Ihnen einige der gängigsten Blitzer-Fehler auf:
Fehler bei Laser-Blitzern (z. B. PoliScan Speed, Riegl)
- Zuordnungsfehler bei dichtem Verkehr auf mehrspurigen Straßen
- Laserstrahl-Ablenkung (Knickstrahlreflexionen) an spiegelnden Fahrzeugteilen
- Fehlender oder ungenauer Visiereinrichtungs- und Nullpunktabgleich
- Fehlende oder unvollständige Dokumentation der Testmessungen vor Inbetriebnahme
Fehler bei Blitzer-Anhängern (Enforcement Trailer)
- Messungenauigkeiten durch Erschütterungen im Umfeld
- Veränderung des Messwinkels durch Absacken auf unebenem Untergrund
- Messabweichungen durch Beschädigungen oder Vandalismus
- Dejustierung durch Ausweichbewegungen des Gestells im Stand
Wir wehren unberechtigte Bußgeldbescheide ab.
Fehler bei Radarfallen (mobil und stationär)
- Reflexionsfehler durch metallische Objekte (z. B. Leitplanken, Lkw, Schilder)
- Falsch eingestellter Aufstellwinkel zur Fahrbahn
- Fehlerhafte Zuordnung bei mehreren Fahrzeugen im Messbereich
- Unvollständige Dokumentation der Aufstellung und Eichung
Fehler bei Induktionsschleifen und Piezo-Sensoren im Asphalt
- Falsche Zeit-Weg-Berechnung durch Straßenschäden im Messbereich
- Veränderung der Sensorabstände durch Hitzeverformung des Asphalts
- Fehlauslösungen durch Risse oder Nässeeintritt in den Fahrbahnsensoren
- Verfälschte Messwerte bei stark abgenutzten Sensorkabeln
Fehler bei Lichtschranken und optischen Sensoren (z. B. ESO 3.0)
- Störung der Optik durch extremen Schlagschatten
- Blendung der Helligkeitssensoren durch direkte Sonneneinstrahlung
- Fehlmessungen durch Lichtreflexionen auf nasser Fahrbahn
- Falsche Ausrichtung oder Neigung der Messköpfe zur Fahrbahn
Wir wehren unberechtigte Bußgeldbescheide ab.
Menschliche Fehler beim Blitzen
Nicht nur die Blitzer selbst können Fehler machen. Auch formelle und menschliche Pannen spielen eine große Rolle beim Blitzer-Verfahren. So muss das Messpersonal für das spezifische Gerät geschult sein und sich exakt an die Vorgaben der Bedienungsanleitung halten. Fehlt der Schulungsnachweis, wurde das Messprotokoll unvollständig geführt oder ist die gesetzliche Eichfrist des Geräts abgelaufen, ist die Messung in der Regel rechtlich ungültig.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Speicherung von Rohmessdaten: Bei einigen Blitzer-Modellen werden verfahrensbedingt keine Rohmessdaten gespeichert, die eine nachträgliche mathematisch-technische Plausibilitätsprüfung ermöglichen würden. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts kann dies das Recht auf ein faires Verfahren verletzen, wenn Betroffenen dadurch die Möglichkeit genommen wird, die Messung von unabhängigen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Es handelt sich hiermit zwar nicht direkt um einen Blitzer-Fehler, ist aber trotzdem ein guter Angriffspunkt für einen Einspruch.
So gehen Sie gegen Blitzer-Fehler vor
Für Laien können Fehler bei einer Geschwindigkeitsmessung oft schwer erkennbar sein, doch ein genauer Blick auf den Anhörungsbogen und das Blitzerfoto kann erste Anhaltspunkte liefern. Prüfen Sie zunächst, ob Ihr Kennzeichen einwandfrei lesbar ist, ob sich weitere Fahrzeuge auf dem Foto im selben Messbereich befinden und ob Angaben zu Ort, Datum und Uhrzeit plausibel sind. Auch offensichtliche Zuordnungsfehler, z. B. wenn das Fahrzeug auf einer zweispurigen Straße dem falschen Fahrstreifen zugeordnet wird, lassen sich manchmal direkt auf dem Bild erkennen.
Die meisten gravierenden Blitzer-Fehler bleiben für Autofahrer jedoch verborgen. Ob das Messgerät zum Messzeitpunkt korrekt geeicht war, ob das Personal die vorgeschriebenen Testmessungen ordnungsgemäß durchgeführt hat oder ob der Aufstellwinkel exakt gestimmt hat, lässt sich aus dem Anhörungsbogen nicht ablesen. Auch technische Details wie die Speicherung von Rohmessdaten oder mögliche Störfaktoren im Umfeld ergeben sich erst aus der vollständigen Verfahrensakte.
Deshalb ist es in der Regel empfehlenswert, sich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu wenden. Als Laie erhalten Sie in der Regel keine umfassende Akteneinsicht. Ein Anwalt allerdings kann die vollständige Ermittlungsakte anfordern, Messprotokolle sowie Eichscheine prüfen und gegebenenfalls ein unabhängiges technisches Gutachten veranlassen. Das erhöht Ihre Erfolgschancen für einen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid erheblich.
Unser Kanzlei-Team erhebt bei fehlerhaften Bußgeldbescheiden Einspruch und bewahrt Sie vor einer Geldbuße und ggf. dem Verlust Ihres Führerscheines.
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