Während bisher hauptsächlich VW und Daimler im Blickfeld des Abgasskandals standen, hat sich nun auch die VW-Tochtergesellschaft Audi dazu gereiht. Audi-Dieselfahrzeuge sind ebenfalls mit einer Abschalteinrichtung versehen, die die Abgasreinigung drosselt. Viele Modelle werden nun zurückgerufen.

Der Audi-Dieselskandal

Zunächst war Audi nur indirekt vom Diesel-Abgasskandal betroffen. Im Jahr 2015 gab Audi in den USA jedoch zu, selbst beim Stickoxidausstoß geschummelt zu haben. Erst zwei Jahre später wurde der Audi-Abgasskandal in Deutschland bekannt. Die Staatsanwaltschaft München ermittelte gegen Audi, die Vorwürfe bezogen sich da jedoch noch auf den amerikanischen Markt.

  • Im Sommer 2017 verdichtete sich jedoch der Verdacht, dass auch der deutsche Markt betroffen sei.
  • Im September folgten Verhaftungen sowie mehrere Durchsuchungen bei Audi.
  • Im Januar 2018 kam es dann zu einer ersten Pflichtrückrufaktion durch das KBA.
  • Im Juni 2018 folgte ein weiterer Rückruf.

Im gleichen Monat wurde der Audi-Chef festgenommen. Dieser wurde dann im Juli 2019 angeklagt.

Welche Abschalteinrichtung hat Audi verwendet?

Audi verwendet vier unterschiedliche Strategien um den Emissionsausstoß zu kontrollieren, dies ergibt sich aus den KBA Bescheiden über die 3.0 Liter Motoren der Abgasnorm 6 von Audi. Diese Strategien werden vom KBA als Strategien A-D dargestellt:

  • Strategie A: Hierbei handelt es sich um eine Motorwärmefunktion. Das Fahrzeug erkennt, wenn es im Prüfstand ist, und heizt dann den Motor auf. Dies führt dann wiederum zu einem geringeren Stickoxidausstoß.
  • Strategie B: Diese Strategie stellt ein alternatives Vorheizen dar. Auch hier erkennt das Fahrzeug, wenn es sich im Prüfstand befindet und sorgt für einen höheren Füllstand an Ammoniak im SCR-Katalysator (Selektive katalytische Reduktion), was ebenfalls zu einem geringeren Stickoxidausstoß führt. 
  • Strategie C: Befindet sich das Fahrzeug im Normalbetrieb, dann verhindert diese Strategie die erneute Funktion der Aufheizstrategie. Somit ist im Normalbetrieb der Stickoxidausstoß höher als auf dem Prüfstand.
  • Strategie D: Hier wird anhand der Fahrzeuggeschwindigkeit erkannt, ob sich das Fahrzeug im Prüfstand befindet. Ist dies der Fall, wird ein Speichermodus eingeschaltet, bei dem ein chemischer Stoff eingespritzt wird, um den Ausstoß an Stickoxid unterhalb des Grenzwertes zu halten. 

Hinweis: Einstufung des KBA

Das KBA stuft lediglich die Strategie A als unzulässige Abschalteinrichtung ein. An den anderen Strategien bestehen lediglich Zweifel.

Neben den Strategien A bis D verwendete Audi die Akustikfunktion, welche ebenfalls eine unzulässige Abschalteinrichtung darstellt. Diese Abschalteinrichtung verwendete Audi bei den Diesel-Motoren mit der Abgasnorm 4. Diese Fahrzeuge wurden zwischen 2004 und 2009 produziert. Das KBA holte hier zwar ein Gutachten ein, woraus sich ergab, dass diese Abschalteinrichtung unzulässig sei, stellte jedoch erst Ende 2019 einen Rückrufbescheid an Audi zu. Schadensersatzforderungen können die Betroffenen aufgrund der Verjährungsfrist daher teilweise nun nicht mehr geltend machen.

Welche Motoren von Audi sind betroffen?

Zahlreiche Motoren von Audi sind mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung versehen:

Die Auswirkungen des Skandals auf Ihr Fahrzeug

Der Abgasskandal hat auch auf die Fahrzeuge von Audi erhebliche Auswirkungen. Genauso wie bei anderen Diesel-Fahrzeugen droht ein Wertverlust, woran die teilweise geltenden Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge nicht ganz unschuldig sind. Ferner hat Audi ebenfalls ein Software-Update durchführen lassen, welches ggf. negative Folgen nach sich zieht.

Hat das durchgeführte Update negative Folgen?

Audi ist ziemlich spät mit der Umrüstaktion gestartet. In einigen Fällen gingen die AGR Ventile nach dem Update kaputt. Für die Reparatur wollte Audi jedoch nur aufkommen, wenn Sie als Kunde nachweisen konnten, dass dies auf das Update zurückzuführen ist. Dies ist jedoch so gut wie unmöglich.

Zudem haben Tests gezeigt, dass der Stickoxidausstoß nach dem Updaten noch höher war als davor. Ferner stieg der AdBlue– sowie der Spritverbrauch erheblich an. Audi gab an, dass sich nach dem Software-Update keine Verschlechterungen zeigen würden. Doch viele Fahrer berichten von anderen Erfahrungen.

Hat Ihr Fahrzeug einen Wertverlust erlitten?

Jedes Diesel-Fahrzeug, welches vom Abgasskandal betroffen ist, erleidet einen Wertverlust. Dies hat mehrere Gründe:

  • Fahrverbot: Das Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 4 und 5 kann zu einem Wertverlust führen. Wenn nur noch bestimmte Straßen oder Städte mit dem Fahrzeug befahren werden können, überlegen sich potenzielle Käufer zweimal, ob sie sich für ein Diesel-Fahrzeug entscheiden.
  • Software-Update: Auch das Software-Update spielt eine Rolle beim Wertverlust für Diesel. Hat das Fahrzeug noch kein Update bekommen, ist ggf. mit einer Zwangsstilllegung zu rechnen. Bei Fahrzeugen mit Software-Update sind die Langzeitschäden derzeit noch nicht bekannt, einige Diesel-Besitzer berichten jedoch, dass es nach dem Update zu zahlreichen Problemen gekommen ist.
  • Keine Gewissheit: Insbesondere bei Audi werden immer mehr Modelle gefunden, die mit einer illegalen Abschalteinrichtung versehen sind. Dies senkt den Wert für Audi-Fahrzeuge ebenfalls, denn wer sich unsicher ist, ob das gewünschte Modell ebenfalls mit einer Abschalteinrichtung versehen ist, wird sich im Zweifel für ein anderes Fahrzeug entscheiden.

Bestehen für Audi-Diesel Fahrverbote?

Das Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge gibt es seit Mitte 2018 in Deutschland. Dieses Fahrverbot betrifft Diesel-Fahrzeuge bis zur Abgasnorm Euro 5. Auch Audi-Fahrzeuge sind davon betroffen. Hintergrund dieses Verbotes war es, dass durch die Dieselfahrzeuge der von der EU vorgegebene Grenzwert für Stickoxide in der Luft überschritten wurde.

In vielen Städten gilt nur auf bestimmten Straßen ein Fahrverbot. Andere Städte haben Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen gewählt, um die Vorgaben der EU einzuhalten. Sie sollten sich daher vorab informieren, wo die entsprechenden Fahrverbote gelten, denn wer das Fahrverbot ignoriert, muss mit einer Geldstrafe rechnen.

Ihre rechtlichen Möglichkeiten im Audi-Dieselskandal

Als Erstes muss geschaut werden, ob Ihr Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist und ob Ihre Ansprüche nicht vielleicht verjährt sind. Anschließend muss geprüft werden, ob in Ihrem Fall eine Rückabwicklung des Kaufvertrages oder lediglich die Geltendmachung des kleinen Schadensersatzes sinnvoll ist.

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Wie erkennen Sie, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist?

Vom Autohersteller Audi werden Sie in der Regel ein Informationsschreiben erhalten, dass Ihr Audi vom Abgasskandal betroffen ist. Audi bietet lediglich an, dass Sie auf der Website Ihre FIN (Fahrzeugidentifikationsnummer) eingeben und dann geprüft wird, ob Ihr Audi zu den betroffenen Fahrzeugen gehört.

Hinweis: Prüfung nur für Fahrzeuge aus der ersten Rückrufaktion 

Auf der Audi-Website werden jedoch nur Fahrzeuge aufgeführt, die von der ersten Rückrufaktion betroffen waren. Modelle aus der zweiten Rückrufaktion sind von dieser Überprüfung ausgenommen.

Sollte es für Ihr Fahrzeug-Modell ein Software-Update geben, dann ist dies ein Indiz dafür, dass in Ihrem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut ist. Über das Software-Update werden Sie entweder von Audi oder vom KBA informiert.

Natürlich können Sie auch im Internet in Erfahrung bringen, ob Ihr Fahrzeug vom Skandal betroffen ist. Wenn Sie sich unsicher sind, kann auch ein Besuch bei einem spezialisierten Anwalt im Dieselskandal Klarheit schaffen. Dieser kann Sie dann auch im Hinblick auf Ihre rechtlichen Möglichkeiten beraten.

Hier finden Sie eine Übersicht aller betroffenen Modelle

Haben Sie einen Anspruch auf Schadensersatz?

In einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Koblenz wurde die Audi AG wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung zu Schadensersatz verurteilt. In diesem Verfahren ging es um den Audi SQ5 3.0 TDI plus, in welchem der Motor EA897evo verbaut war. Generell sprechen die Gerichte regelmäßig Schadensersatz zu, wenn die Fahrzeuge Teil einer Rückrufaktion waren.

Hierbei spielte es auch keine Rolle, ob es sich um eine freiwillige Rückrufaktion gehandelt hat, denn die betroffenen Fahrzeuge sollen im Rahmen dieser Aktion ein Software-Update erhalten, welches die unzulässige Abschalteinrichtung beseitigen soll.

Bei einer Verurteilung wegen sittenwidriger Schädigung können Sie Ihr Fahrzeug dann zurückgeben und erhalten Ihren Kaufpreis zurück. Laut der bisherigen BGH-Rechtsprechung im Zusammenhang mit dem Abgasskandal müssen Sie sich jedoch auf den Kaufpreis eine Nutzungsentschädigung anrechnen lassen.

Müssen Sie Ihr Fahrzeug in jedem Fall zurückgeben?

Eine Rückabwicklung des Kaufvertrages ist für Sie jedoch nur dann wirklich sinnvoll, wenn Sie mit dem Fahrzeug noch nicht so viele Kilometer gefahren sind und die Gesamtlaufleistung im unteren sechsstelligen Bereich liegt. Sind Sie mit dem Fahrzeug nämlich schon viele tausende Kilometer unterwegs gewesen, kann es passieren, dass die Nutzungsentschädigung so hoch ausfällt, dass kaum noch etwas vom Kaufpreis übrig bleibt.

Tipp: Berechnen Sie Ihren Anspruch

Nutzen Sie unseren Dieselskandal Rückabwicklungsrechner und erfahren, wie hoch Ihr Anspruch ist.

Die Alternative wäre dann, dass Sie einen kleinen Schadensersatz geltend machen. Dies bedeutet, dass Sie das Fahrzeug behalten und zusätzlich Schadensersatz in Höhe von bis zu 25 % erhalten.

Ihre Experten im Dieselskandal

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Thorsten Köhn, Rechtsanwalt für Verkehrsrecht, und sein Kanzleiteam stehen Ihnen bei Fragen und Problemen zum Dieselskandal zur Seite. Die Ersteinschätzung ist kostenlos.

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