Das Immobilienunternehmen Adler-Group steckt mitten in einer Krise. Denn die Wirtschaftsprüfer:innen von KPMG weigerten sich, den Jahresabschlussbericht für 2021 zu testieren. Müssen sich Anleger:innen auf Wirecard 2.0 gefasst machen?

KPMG verweigert Bilanzierung der Adler-Group

Nach Wirecard droht nun das nächste Unternehmen an der Börse unterzugehen. Die Adler-Group ist ein luxemburgischer Immobilienkonzern, der auch in Deutschland ein relativ großer Player auf dem Immobilienmarkt ist. Wie lange das aber noch so bleiben wird, ist fraglich.

Die KPMG, die von der Adler-Group mit der Bilanzierung ihres Jahresabschlussberichts beauftragt wurde, hat einen sogenannten Disclaimer of Opinion (zu deutsch: Versagungsvermerk) erteilt. Das heißt, dass die Wirtschaftsprüfer:innen Zweifel an der Richtigkeit der Bilanzen haben und deshalb kein Testat ausstellen werden.

Adler-Group soll Aufklärungspflichten verletzt haben

Das Immobilienunternehmen habe nicht alle Karten auf den Tisch gelegt, begründet KPMG seine Entscheidung. Adler habe wichtige Informationen bezüglich einiger Transaktionen nicht mit den Wirtschaftsprüfer:innen geteilt. Daher könne man den Finanzbericht nicht absegnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Adler-Group in der Kritik steht. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über fragwürdige Transaktionen, geschönte Bewertungen einzelner Immobilien und Verstöße gegen ad hoc-Pflichten. Das drückte den Wert der Aktie in regelmäßigen Abständen nach unten – mit einem Rekordtief von unter vier Euro Anfang Mai.

Hinweis: Adler-Group ist im SDAX notiert
Die Adler-Group ist zusammen mit 69 weiteren Unternehmen im sogenannten Small-Cap-DAX (SDAX). Das ist ein Aktienindex, der die wirtschaftliche Entwicklung kleinerer Unternehmen notiert.

Erste Klagen gegen Adler-Group eingereicht

Es könne allerdings nicht von einem systematischen Betrug wie bei Wirecard gesprochen werden, stellten die Wirtschaftsprüfer:innen von KPMG klar. Dennoch hat Adler erste Schritte eingeleitet, um das Vertrauen von Gläubigerinnen bzw. Gläubigern und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Das Unternehmen wurde umstrukturiert, viele Führungspositionen neu besetzt. Für das kommende Jahr sei man positiv gestimmt, so Verwaltungsratschef Stefan Kirsten.

Den meisten Aktionärinnen und Aktionären scheint das nicht zu reichen. Schon jetzt laufen erste Klagen gegen den Konzern aus Luxemburg. Zudem gibt es bereits eine Initiative für ein Musterverfahren. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (BaFin) schaut in Zukunft genauer auf die Adler-Group. Man wolle die Vorfälle prüfen und dabei die Untersuchungsergebnisse von KPMG einfließen lassen, heißt es bei der BaFin. In der Causa Adler ist also ordentlich Bewegung drin.

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