Gestern, am 16. April 2026, fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH) ein wegweisendes Urteil: Wer beim Online-Casino ohne gültige heimische Lizenz Geld verloren hat, könnte seinen Einsatz zurückbekommen. Mit der gestrigen Entscheidung aus Luxemburg erhalten Verbraucher in Deutschland und in der gesamten EU rechtlichen Rückhalt.
Kein EU-Verstoß: Deutschland durfte Online-Glücksspiel verbieten
Bis zum 1. Juli 2021 galt in Deutschland gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag von 2012 ein grundsätzliches Verbot für Online-Glücksspiele. Trotzdem nutzten zahlreiche Bürger Plattformen ausländischer Betreiber. In einem konkreten Fall nahm ein deutscher Spieler zwischen Juni 2019 und Juli 2021 regelmäßig an Spielen in einem maltesischen Online-Casino teil. Der Betreiber verfügte zwar über eine offizielle Lizenz der Glücksspielbehörde Maltas, in Deutschland war diese jedoch ohne Rechtswirkung.
Der Spieler klagte auf Rückzahlung seiner verlorenen Beträge und trat seine Ansprüche später an eine Gesellschaft ab, die den Rechtsstreit in seinem Namen weiterführte. Das Argument der Klägerseite: Der Vertrag zwischen Spieler und Anbieter sei von Anfang an unwirksam gewesen, da das Casino nie eine deutsche Betriebserlaubnis besaß. Während deutsche Gerichte – bis hin zum Bundesgerichtshof – dieser Argumentation folgten, weigerten sich maltesische Instanzen, das deutsche Urteil anzuerkennen.
Die maltesischen Richter warfen stattdessen eine grundsätzliche EU-rechtliche Frage auf: War das deutsche Verbot mit der in den EU-Verträgen verankerten Dienstleistungsfreiheit (Art. 56 AEUV) vereinbar? Oder hätte Deutschland ausländische Glücksspiellizenzen akzeptieren müssen? Der EuGH gab am gestrigen Donnerstag eine klare Antwort: Das EU-Recht hindert Deutschland nicht daran, Online-Casinospiele und virtuelle Automatenspiele zu verbieten, um den Spieltrieb in kontrollierte Bahnen zu lenken und Schwarzmärkten entgegenzuwirken. Das deutsche Glücksspielrecht war seinerzeit also legitim.
Rückforderungen werden einfacher – auch für andere Betroffene
Da das maltesische Online-Casino gegen deutsches Recht verstieß, ist der entsprechende Vertrag mit dem Spieler nichtig – so die logische Konsequenz aus dem EuGH-Urteil. Darüber hinaus stellt der Gerichtshof klar: Die Klage eines Spielers auf Rückerstattung begründet keinen Rechtsmissbrauch im Sinne des Unionsrechts.
Von dieser Entscheidung profitiert nicht nur der ursprüngliche Kläger. Vielmehr schafft sie eine verbindliche Grundlage für alle Verbraucher, die vor Juli 2021 Geld bei Online-Glücksspielanbietern verloren haben.
Für deutsche Zivilgerichte bedeutet das Urteil vor allem Rechtssicherheit. Viele Gerichte, darunter nahezu alle Oberlandesgerichte und der Bundesgerichtshof, gehen ohnehin bereits von einer Rückzahlungspflicht der Anbieter aus. Das EuGH-Urteil zum Online-Casino-Streit gibt ihnen nun Recht und festigt diese Ansicht auf europäischer Ebene. Verfahren, die bislang in der Warteschleife hingen, können nun zügig abgeschlossen werden.
Betroffene Verbrauchen sollten Folgendes tun:
- Unterlagen sichern (Kontoauszüge, Einzahlungsbelege und Spielverläufe)
- Nettoverlust berechnen (Einsätze minus Auszahlungen)
- Verjährungsfristen prüfen (für Verluste aus dem Jahr 2016 läuft die zehnjährige Verjährungsfrist Ende 2026 aus)
- Rechtsberatung einholen (am besten bei einem auf Glücksspielrecht spezialisierten Anwalt)
EuGH: Tipico-Verfahren noch offen
Noch offen ist ein verwandtes Verfahren beim EuGH: Die Richter müssen entscheiden, ob auch beim Sportwettenanbieter Tipico getätigte Wetten vor 2021 rechtswidrig waren. Generalanwalt Nicholas Emiliou hat am 19. März 2026 bereits Schlussanträge vorgelegt und dabei klar Stellung bezogen: Wer Online-Sportwetten in Deutschland ohne deutsche Erlaubnis angeboten hat, kann zivilrechtlich zur Rückzahlung der verlorenen Einsätze verpflichtet sein.
Bis zur endgültigen EuGH-Entscheidung bleiben die meisten Sportwetten-Klagen ausgesetzt. Angesichts des gestrigen Urteils gehen Beobachter aber davon aus, dass auch hier die Verbraucher am Ende Recht bekommen.
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