Um Unklarheiten zu beseitigen und eventuelle Nachteile zu vermeiden, ist eine Rechtsberatung in vielen Fällen hilfreich. Sie müssen nicht immer tief in die Tasche greifen, wenn Sie einen Anwalt fragen. Eine kostenlose Ersteinschätzung oder eine Erstberatung bewahrt Sie vor unangenehmen Rechtsfolgen.

Kostenlose Ersteinschätzung: Anwalt fragen

Seit einigen Jahren haben Ratsuchende die Möglichkeit, sich auch online an Rechtsanwälte zu wenden. Verschiedene Zusammenschlüsse von Juristen, aber auch einzelne Rechtsanwälte bieten diesen Service sogar kostenfrei an. Damit eine erste Einschätzung Ihrer Rechtsfragen auch sachlich richtig stattfinden kann, sind von Ihnen wichtige Punkte zu beachten:

  • Vorfall bzw. Problem umfassend und möglichst objektiv darstellen
  • Bereits unternommene Schritte erklären
  • Stellungnahme der Gegenseite schildern

Nur wenn ein Rechtsanwalt umfassend informiert ist, kann er die Angelegenheit in all ihren Aspekten und mit eventuellen Auswirkungen beurteilen. Bei einer schriftlichen Online-Auskunft kann anders als im persönlichen Gespräch nicht sofort nachgefragt werden, wenn Unklarheiten auftreten. Dies birgt die Gefahr von Missverständnissen.

Tipp: Vor der Kontaktaufnahme schriftliche Notizen machen

Nicht nur bei einer kostenlosen Ersteinschätzung, sondern bei jedem Gespräch mit einem Rechtsanwalt sind schriftliche Notizen sinnvoll. Wer aufschreibt, wie es zum Problem kam, was bislang unternommen wurde und welche Fragen sich nun ergeben, vergisst seltener, wesentliche Punkte zu erwähnen.

Gibt es Anrecht auf eine kostenlose Beratung beim Rechtsanwalt?

Bis vor wenigen Jahren war es Rechtsanwälten nicht mal erlaubt, kostenfrei zu beraten. Ein Anrecht gibt es nach wie vor nicht. Dennoch gibt es verschiedene Wege, um selbst keine Kosten tragen zu müssen:

  • Kostenfreies Online-Angebot
  • Beratung mit Beratungsschein
  • Kostenübernahme durch eine Rechtsschutzversicherung

Kostenlose Rechtsberatung im Internet finden Sie zu unterschiedlichen Rechtsthemen. Auf Plattformen im Internet stehen unter anderem Rechtsgebiete wie Arbeitsrecht, Familienrecht oder Verkehrsrecht zur Auswahl. Im jeweiligen Fachgebiet können Sie einen Anwalt fragen, der sich hier besonders gut auskennt.

Finanziell schlechter Gestellte haben die Möglichkeit, beim Amtsgericht einen Beratungsschein zu beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass ein bestimmtes Einkommen unterschritten wird. Auch muss das Anliegen begründet sein, also wirklich die Rechtsberatung erfordern. Hierfür wird lediglich eine Pauschalgebühr von 15 EUR verlangt. Die sind vom Antragsteller zu bezahlen. Was an Rechtsanwaltskosten darüber hinausgeht, wird von der Staatskasse getragen.

Wer über eine Gewerkschaft oder privat rechtsschutzversichert ist, kann dort um Kostenübernahme für eine Erstberatung bitten. Hier gilt ebenfalls, dass das Anliegen begründet sein muss. Ebenso ist Voraussetzung, dass der Rechtsfall vor Abschluss der Rechtsschutzversicherung eingetreten sein muss. Eine eventuell vereinbarte Wartezeit für die Kostenübernahme muss zudem erfüllt sein.

Was umfasst eine Erstberatung beim Anwalt?

Einfachere rechtliche Fragen können bei einer Erstberatung geklärt werden. Darunter versteht man eine einmalige, erste Beratung in einer Rechtsangelegenheit. Sie erfolgt mündlich im persönlichen Gespräch oder telefonisch. Bei Bedarf werden Unterlagen gesichtet, um zu einer korrekten Einschätzung der Sachlage zu kommen.

Eine schriftliche Zusammenfassung oder Stellungnahme ist bei der Erstberatung jedoch nicht vorgesehen. Auch Schreiben an die Gegenseite gehen über den Umfang einer Erstberatung hinaus. Werden diese notwendig, ist eine Mandatserteilung sinnvoll. Stellt sich bei diesem ersten Gespräch heraus, dass weitere Unterlagen gesichtet werden müssen, wird dies ebenfalls nicht mehr vom Rahmen der Erstberatung erfasst.

Umfang einer anwaltlichen Erstberatung

Die Erstberatung bietet Hilfesuchenden zwei große Vorteile:

  • Die erteilte Rechtsauskunft ist verbindlich.
  • Die Anwaltsgebühren für die Erstberatung sind begrenzt.

Wie hoch sind die Kosten für eine Erstberatung?

Die Höhe der Rechtsanwaltsgebühren richtet sich in der Regel nach dem Gegenstandswert bzw. Streitwert. Bei einer Erstberatung macht das Gebührenrecht eine Ausnahme: Hier ist die Höhe beschränkt, unabhängig davon, welcher Gegenstandswert sich errechnen würde. Die Vergütung für eine Erstberatung beträgt nach § 34 RVG 190 EUR. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer.

Hinweis: Erstberatungsgebühr nur für Private

Für Gewerbetreibende oder Freiberufler gilt die Regelung des § 34 RVG nicht. Für diese Gruppe fallen Gebühren nach der Höhe des jeweiligen Gegenstandswertes an.

Wird eine Erstberatungsgebühr auf weitere Kosten angerechnet?

Lassen sich Rechtsfragen nicht mit einer Erstberatung klären, so dürfen Selbstzahler mit einer finanziellen Erleichterung rechnen. Wird der Rechtsanwalt nach dem ersten Kontakt mit einem Mandat beauftragt, werden die Kosten der Erstberatung mit den weiteren anfallenden Gebühren verrechnet.

Tipp: Erkundigen Sie sich rechtzeitig nach anfallenden Gebühren!

Es ist für Anwälte eine Selbstverständlichkeit, Ihnen die anfallenden Gebühren genau zu erklären. Als Selbstzahler sollten Sie deshalb vor der Beratung ohne Scheu über die anfallenden Kosten sprechen. Klarheit dient hier beiden Seiten.

Was kann man einen Anwalt fragen?

Fragen zum Arbeitsrecht, Unstimmigkeiten mit dem Vermieter, der ausständige Kindesunterhalt, der Bußgeldbescheid: Rechtliche Probleme tauchen in vielen Alltagsbereichen auf. Oft können Sie größere und langwierige Auseinandersetzungen vermeiden, wenn Sie bei Unklarheiten beizeiten einen Anwalt fragen.

Wer die Rechtslage dank einer anwaltlichen Beratung kennt, kann sich kompetent mit dem Problem auseinandersetzen und aktiv nach Lösungen suchen. Beispielsweise kann es vorteilhafter ein, einen Bußgeldbescheid zu bezahlen statt Einspruch einzulegen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Tatbestand zutrifft. Ein Gerichtsverfahren ohne Aussicht auf Erfolg würde wesentlich mehr Kosten als die Beratung verursachen, ohne Nutzen zu erbringen.

Auch bei Problemen an der Arbeitsstelle lohnt es sich, einen Anwalt zu fragen. Wer eine Abmahnung erhält, sollte die darin gemachten Vorwürfe überprüfen. Treffen sie nicht zu, muss gegen die Abmahnung vorgegangen werden, damit später keine Nachteile wie eine daraus resultierende Kündigung entstehen.

Rechtsproblem: Wann sollte ich einen Anwalt fragen?

Grundsätzlich gilt: Schieben Sie nichts auf die lange Bank. Vor allem dann, wenn Fristen laufen, sind rasche Entscheidungen wichtig. Bekommen Sie etwa einen Bescheid einer Behörde, den Sie nicht verstehen oder mit dem Sie nicht einverstanden sind, sollten Sie unbedingt sofort anwaltlichen Rat einholen. Hier kann wirklich jeder Tag zählen, vor allem dann, wenn Sachverhalte noch geklärt werden müssen.

Natürlich bedeutet schnelles Handeln nicht von vornherein, dass alles mit dem Rechtsanwalt geklärt werden muss. Bei Abmahnungen im Betrieb kann der Betriebsrat der erste Ansprechpartner sein. Bei Schwierigkeiten mit dem Vermieter hilft oft ein ruhiges persönliches Gespräch weiter. Lassen sich die Standpunkte trotzdem nicht vereinbaren, wird es Zeit, den Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Anwalt fragen: Wie verbindlich sind Auskünfte vom Anwalt?

Die Auskunft, die Ihnen ein Rechtsanwalt erteilt, ist immer verbindlich. Dies bedeutet, dass Sie sich danach richten können. Allerdings können sich auch Rechtsanwälte irren oder eine Angelegenheit falsch einschätzen. Dies passiert vor allem dann, wenn Sie nicht alle Unterlagen vorlegen oder wichtige Details vergessen. Auch einseitige Schilderungen können den Eindruck verzerren.

Tipp: Detailliert und wahrheitsgetreu berichten

Egal, warum Sie den Anwalt fragen, schildern Sie das Problem offen und ausführlich. Er ist zur Verschwiegenheit verpflichtet und unterstützt Sie nach Kräften.

Sollte dem Rechtsanwalt dennoch einmal eine falsche Einschätzung oder ein Rechtsirrtum unterlaufen, sind Sie als sein Mandant abgesichert. Jeder Rechtsanwalt unterliegt der Anwaltshaftung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie ihn für eine Beratung oder für eine Prozessvertretung aufsuchen.

Diese Anwaltshaftung ist gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Anwalt muss eine Berufshaftpflicht abschließen, die für Rechtsfehler eintritt. Andere Beratungsstellen wie Vereine oder fachlich ausgerichtete Internetforen bieten dagegen weder Rechtssicherheit noch eine Entschädigung bei Nachteilen durch falsche Auskünfte.